DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
 

SXEU31 DWAV 141800
S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 14.11.2015 um 18 UTC


Markante Wettererscheinungen:
Im Nordwesten Dauerregen, im Harz teils Unwetter. Zudem von Westen her wieder 
auffrischender SW-Wind mit stürmischen Böen, im Bergland Sturmböen, ganz oben 
und exponiert bis hin zu Orkanböen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 12 UTC
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Aktuell ... findet man auf der hiesigen Wetterkarte eindeutig das 
Zirkulationsmuster Wz (West zyklonal) vor. Dabei reicht die vom mittleren 
Nordatlantik kommende gut ausgeprägte Frontalzone bis weit in den Osten bzw. 
eher Südosten des europäischen Kontinents. Eingelagerte Trog-Keil-Strukturen, 
die von West nach Ost durchschwenken, sorgen für einen wechselhaften 
Wettercharakter, die von einer lebhaften westlichen Grundströmung begleitet 
wird.
Wie es sich für eine solche Großwetterlage gehört liegt die Zone hohen 
Luftdrucks im Süden Europas, im konkreten Fall mit Schwerpunkt über der 
Iberischen Halbinsel. Als zyklonaler Konterpart fungiert gleich eine ganze 
Ansammlung von Tiefdruckgebieten, die sich quasi vom nahen Ostatlantik über das 
Nordmeer bis in den fennoskandischen Raum verteilen. Herauszuheben aus dieser 
ganzen Armada von Tiefs sind die "Herrschaften" FRANK und der ehemalige 
Tropensturm KATE (jetzt ExKATE). Während FRANK, dessen Kaltfront uns gestern und
in der vergangenen Nacht südwärts überquert hat, mittlerweile die Norwegische 
See erreicht hat und sich dort zusehends auffüllt, rückt nun ExKATE in eine 
äußerst prominente und für uns bedeutungsvolle Rolle. Das Tief weist eine extrem
elliptische Form mit einer Doppelkernstruktur auf und befindet sich heute Abend 
(18 UTC) noch west-nordwestlich von Irland bzw. Schottland. Dabei greift die 
zugehörige Warmfront zonal sehr weit nach Osten aus, bevor sie nach Süden 
abknickt. Entsprechend ist der Warmsektor, der über einen äußerst scharfen 
Druckgradienten respektive ein veritables Starkwindband verfügt, sehr breit 
aufgestellt. Bevor Deutschland in dieses Starkwindfeld gelangt, fächert der 
Gradient am Abend sowie in der ersten Nachthälfte vorübergehend etwas auf, so 
dass der an der Küste und in Hochlagen stürmische SW-Wind zwar nicht einschläft,
zumindest aber mal etwas nachlässt. Etwa ab Mitternacht legt er dann zunächst im
Westen, später auch in anderen Teilen des Landes (vor allem Mitte und 
Nordwesten) wieder merklich zu mit Böen 7 bis 8 Bft in tiefen Lagen (Böen 8 Bft 
besonders in exponierten Lee-Lagen wie dem Aachener Raum oder dem Nordabhang des
Rothaargebirges), 8 bis 9 Bft im Bergland und 10 bis 12 Bft in exponierten Kamm-
und Gipfellagen. Ob es auch an der ostfriesischen Küste für Sturmböen reicht, 
ist noch etwas unsicher. An der langgestreckten Warmfront bildet sich über der 
Nordsee nämlich eine Welle (Warmfrontwelle), aus der in den frühen Morgenstunden
wiederum ein kleines Teiltief entstehen soll, das von der Elbmündung 
ost-südostwärts zieht. Dabei kommt es zu einer regelrechten "Abbruchkante" des 
Windes, weil der Gradient im Wellen- bzw. Tiefbereich schlagartig auffächert, so
dass - grob gesprochen nordöstlich der Elbe - der Wind warntechnisch keine Rolle
spielt. Allgemein schwächer ist er auch in den tiefen Lagen Süddeutschlands, so 
dass auch dort kaum Warnungen nötig sind.
Die zweite "Baustelle" aus warntechnischer Perspektive betrifft den Parameter 
"Regen". Die letzte Schaueraktivität im Norden und Nordosten fällt mehr und mehr
der starken WLA zum Opfer, die von Westen her weit vor dem o.e. Tief respektive 
der zugehörigen Warmfront weit nach Osten ausgreift. Daraus resultierend hat im 
Westen und in der Mitte bereits leichter stratiformer Regen oder Nieselregen 
eingesetzt, der sich im Laufe der Nacht auf weite Teile des Landes ausbreitet 
und im Zuge sich noch verstärkender WLA gebietsweise intensiviert. Akkumuliert 
über 12 Stunden liegt der Schwerpunkt im NW des Landes zusätzlich einiger Peaks 
im Mittelgebirgsraum (vor allem Harz, teils auch im Westen), wo gebietsweise 10 
bis 20 mm, im Stau punktuell auch etwas mehr Regen zusammenkommen können. Nur 
wenig oder überhaupt kein Regen fällt im Nordosten sowie im Süden etwa vom 
Oberrheintal bis hinüber nach Ostbayern.   
                    
Sonntag ... zieht das kleine Wellentief etwa entlang von Elbe und Havel in 
Richtung Polen, wo es spätesten am frühen Nachmittag anlandet. Die zugehörige 
Kaltfront passiert den äußersten Norden und Nordosten, kommt aber nicht 
besonders weit landeinwärts voran, weil sie nach Westen hin bereits wieder in 
die Warmfront des eigentlichen Tiefs ExKATE übergeht, das um 12 UTC knapp 
west-nordwestlich der Hebriden positioniert ist (ICON). Der größte Teil des 
Landes gelangt in den starkgradientigen Warmsektor des Wellentiefs, in dem mit 
lebhafter Südwestströmung milde Atlantikluft advehiert wird und in der die 
850-hPa-Temperatur im Westen bis zum Abend auf rund 10°C ansteigt. Westlich von 
uns wölbt sich ein kurzwelliger Höhenrücken auf, der allmählich ostwärts 
schwenkt, aber erst in der Nacht zum Montag den Vorhersageraum gänzlich 
überdeckt.
Zum Sonntagswetter: In weiten Teilen Nord- und Ostdeutschlands sowie der Mitte 
kommt es zu weiteren, teils länger andauernden Regenfällen, die sich zum Abend 
hin sowie in der Nacht zum Montag mehr und mehr in den Nordosten zurückziehen. 
Zwar setzt jedes Modell die Intensität und Schwerpunkte des Regens etwas anders,
unter dem Strich und mit Hilfe probabilistischer Verfahren kristallisiert sich 
aber ein 24-stündiges Maximum heraus, das im Nordwesten des Vorhersageraums 
platziert ist und ein absolutes Maximum in den Staulagen des Harzes aufweist. 
Dass die herausgegebenen Dauerregenwarnungen ein recht großes Areal abdecken, 
liegt in der Natur der Sache und ist der Unschärfe der numerischen Prognosen 
geschuldet.
Neben dem Regen bleibt freilich der Wind respektive Sturm ein ganz großes Thema 
auf der Sonntagsagenda. Im besagten Warmsektor weht tagsüber verbreitet ein 
lebhafter Südwestwind mit Böen 7 bis 8 Bft, Bergland 8 bis 9  Bft, exponierte 
Kamm- und Gipfellagen 10 bis 12 Bft, Tendenz im Laufe des Nachmittags zunächst 
im W und SW, später auch nach Osten ausweitend, allmählich abnehmend. 
Windschwach bleibt es im Nordosten auf der Spur des Wellentiefs sowie nördlich 
davon, so dass etwa nördlich einer virtuellen und mit etwas Toleranz 
ausgestatteten Linie Elbmündung-Berliner Raum (vielleicht auch Lausitz) keine 
Warnungen vonnöten sein werden. Ob es an der ostfriesischen Küste für Sturmböen 
oder nur für Windböen reicht oder noch weniger Wind auftritt, ist derzeit noch 
unsicher.
Fakt ist, dass die größten Chancen für Sonnenschein im S und SW gegeben sind 
etwa von den Alpen bis hinüber zum Oberrhein. Dort steigt die Temperatur zum 
wiederholten Male in diesem November auf laue 15 bis 18°C, während sonst 11 bis 
16°C, im äußersten Norden und Nordosten in der der etwas kälteren Luft (plus 
bedecktem Himmel und Regen) nur 8 bis 11°C auf der Karte stehen.

In der Nacht zum Montag setzt sich Zwischenhocheinfluss durch. Der Regen zieht 
sich wie gesagt nach NO zurück und auch der Wind wird immer schwächer, zumindest
in den meisten Regionen. Im NW allerdings und dort besonders an der Nordsee 
frischt er in der 2. Nachthälfte aber bereits wieder auf mit einzelne Sturmböen 
8 bis 9 Bft. Im Süden dagegen bildet sich stellenweise Nebel.
         
Montag ... wandert der kurzwellige Rücken langsam nach Osten und wir gelangen 
zunehmend auf die Vorderseite eines breiten, aber recht flach konturierten 
Troges über UK und Irland unter eine südwestliche Höhenströmung. ExKATE - um 12 
UTC knapp nördlich der Färöer-Inseln gelegen  - vertieft sich auf unter 970 hPa 
(ICON). Während die Warmfront im Laufe des Vormittags mit dem letzten 
stratiformen Regen nach Polen abzieht, greift die zugehörige Kaltfront auf 
Nordwestdeutschland über, von wo aus sie bis zum Abend bis in die mittleren 
Landesteile vorankommt. Rückseitig gelangt ein Schwall Meeresluft subpolaren 
Ursprungs insbesondere in die Nordhälfte des Landes, in der die 
850-hPa-Temperatur ganz im Norden auf rund 0°C sinkt. Mangels ausreichend 
höhenkalter Luft hält sich die Labilität in dieser Luftmasse Grenzen, gleichwohl
reicht es Norden wahrscheinlich für ein paar Schauer leichter Intensität. 
Ansonsten regnet es zeitweise an bzw. etwas vor der Kaltfront, die Mengen halten
sich aber in Grenzen (meist unter 5mm/12h). Im Süden scheint nach Nebelauflösung
verbreitet die Sonne bei 14 bis 19°C, weiter nördlich werden 10 bis 15°C 
erreicht.
Der südwestliche Wind frischt besonders im Norden sowie in den Hochlagen 
warnwürdig auf mit Böen 7 Bft, Nordsee 8 Bft, Kamm- und Gipfellagen 8 bis 9 Bft,
Brocken 10 Bft.

In der Nacht zum Dienstag kommt die Kaltfront über der Mitte ins Schleifen bzw. 
geht nach Westen hin in die Warmfront eines neuen Tiefs westlich von Irland 
über. Dabei verstärkt sich der Regen nach Westen hin (WLA plus diffluente 
Trogvorderseite), wobei nach Lesart der deutschen Modellkette insbesondere in 
Teilen NRW durchaus 10 bis 20mm/12h, lokal (Stau) sogar noch etwas mehr 
zusammenkommen sollen. Externe Modelle sehen die Intensität allerdings etwas 
gelassener. 
Im Mittelgebirgsraum sowie an der See bleibt es recht windig, in höheren Lagen 
sowie an der Nordsee teils stürmisch.   
  
Dienstag ... bleibt die lebhafte west-südwestliche Grundströmung erhalten, auch 
wenn ExKATE in Richtung Norwegische See abdreht und sich beginnt aufzufüllen. In
seine "Fußstapfen" tritt das o.e. Tief, das sich vom Seegebiet westlich Irland 
unter Intensivierung rasch ostwärts verlagert. Möglicherweise zieht im Vorfeld 
eine ganz flache Welle rasch über den Norden unseres Landes hinweg, was aber 
noch unsicher ist.
Tatsache ist, dass die Kaltfront weiterhin schleifenden Charakter hat und somit 
vielerorts für zum Teil länger andauernden Regen sorgt. Ob dabei irgendwo (am 
ehesten mit orografischer Unterstützung) die Schwelle für Dauerregen 
überschritten wird, ist derzeit noch nicht belastbar zu beantworten. 
Beim Wind deutet sich an, dass dieser - weiterhin aus SW kommend - in der 
Südhälfte über mehr Schmackes verfügt als nach Norden hin, wo eigentlich nur an 
der Küste einige Böen 7 Bft, Nordsee vielleicht 8 Bft simuliert werden. Weiter 
südlich sind Böen 7 Bft deutlich häufiger, und im Bergland wird die Palette je 
nach Exposition wohl bis Windstärke 11 Bft ausgereizt. Dazu gibt es 
deutschlandweit Temperaturmaxima zwischen 11 und 16°C, Richtung Alpen mit 
Leeeffekten lokal etwas darüber.   


Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle zeigen summa summarum eine sehr ähnliche Entwicklung. Auch 
hinsichtlich der Warmfrontwelle bzw. des daraus resultierenden Teiltiefs hat man
sich weitgehend angepasst. Die Unschärfen, die trotzdem in den Prognosen 
enthalten sind, wurden im Text größtenteils angesprochen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann 

Quelle: DWD
Wetterzentrale | Top Karten