DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
 

S Y N O P T I S C H E   Ü B E R S I C H T   M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 14.11.2015 um 10.30 UTC



Wechselhaft. Zunächst noch mild bis sehr mild, Sturmböen an der See und auf 
Berggipfeln. Ab dem Wochenende Temperaturrückgang.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 21.11.2015


Deutschland liegt zunächst unter einer straffen, schwach mäandrierenden 
Zonalströmung. Mit dieser werden in rascher Folge Kurzwellentröge und flache 
Rücken nach Osten gesteuert, die den Wettercharakter vor allem im Norden und in 
der Mitte Deutschlands wechselhaft gestalten.
So wird im Laufe des Dienstags ein Randtief rasch vom Seegebiet westlich von 
Irland über die Britischen Inseln und die südliche Nordsee hinweg nach Dänemark 
gesteuert. An deren Südflanke verbleibt Deutschland im Zustrom sehr milder Luft.
Dabei erfolgt im Norden ein Schleifen der Kaltfront; möglicherweise werden 
kleinräumig die Warnschwellen für Dauerregen überschritten. Zudem sorgt ein 
kräftiger Gradient im Bergland und je nach Zugbahn des Randtiefs auch an der 
Küste für Böen bis Sturmstärke. Auf höheren Berggipfeln sind schwere Sturmböen 
oder auch (Brocken!) orkanartige Böen vorstellbar.
Danach folgt ein Kurzwellentrog, der bis Mittwochmittag das Vorhersagegebiet 
bereits vollständig überquert haben dürfte. Mit diesem Trog gelangt 
vorübergehend ein Schwall gealterter maritimer Polarluft nach Deutschland. In 
den Kammlagen der Mittelgebirge kann es etwas Schnee geben, bevor ein 
nachrückender Keil für ein Nachlassen der Niederschläge sorgt.
Bereits am Donnerstag gelangt Deutschland nach einer vorübergehenden leichten 
Wetterberuhigung erneut in den Warmsektor einer Zyklonenfamilie, die auf einer 
weiter im Norden liegenden Zugbahn, d.h. über Schottland und den Skagerrak 
hinweg ostwärts gesteuert wird. Somit sind die kräftigsten Niederschläge 
nördlich von Deutschland zu erwarten. Erneut erfolgt eine Gradientzunahme, so 
dass im Bergland und an der Küste von Böen bis Sturmstärke ausgegangen werden 
kann. Dabei bleibt es mild bis sehr mild. In den Nächten bis einschließlich der 
Nacht zum Freitag ist Frost eher unwahrscheinlich.
Im Laufe des Donnerstags entwickelt sich an der über Frankreich schleifenden 
Kaltfront eine Welle, die in der Nacht zum Freitag mit länger andauernden 
Niederschlägen auf die mittleren Regionen Deutschlands übergreift. Ob 
Warnschwellen überschritten werden und wo dies der Fall sein dürfte, ist noch 
unsicher. In Staulagen ist dies jedoch sehr wahrscheinlich. Die Kaltfront greift
schleifend auf die Alpen über, postfrontal dringt maritime gealterte Polarluft 
nach Deutschland vor, wodurch ein Temperaturrückgang eingeleitet wird. In den 
Kammlagen der Mittelgebirge kann es etwas, am Alpenrand zeitweise Schneefall 
geben.
Ein massiver Vorstoß arktischer Polarluft aus dem ostgrönländischem Raum lässt 
über der Nordsee einen kräftigen Trog entstehen, der sich bis zur äußeren 
Biskaya erstreckt. Durch diese Trogbildung wird über Westeuropa ein flaches Tief
generiert, das die Kaltfront über dem Alpenraum weiter zurückhält. Im 
Mittelgebirgsraum und im Süden kommt es daher weiterhin zu zeitweisen 
Niederschlägen, die an den Alpen auch länger andauern können. Die 
Schneefallgrenze liegt zwischen 800 und 1000 Metern und kann durch die 
Niederschlagsabkühlung eher noch etwas, möglicherweise bis auf 400 Meter, 
absinken.
Im erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum arbeitet sich der 
Langwellentrog bis nach Mitteleuropa vor. In dessen Bereich gehen am Wochenende 
die Temperaturen weiter zurück, wobei der Wettercharakter am Sonntag leicht 
konvektiv geprägt ist. Danach wird ein weiteres Tief in die Zirkulation dieses 
Troges einbezogen, das sich über den dänischen Inseln etabliert und die Rolle 
eines Zentraltiefs übernimmt. An dessen Südflanke erfolgt eine erneute 
Gradientverschärfung, so dass dann im Bergland auch wieder Sturmböen möglich 
sind. Die Schneefallgrenze dürfte dabei noch etwas absinken.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis einschließlich Freitag ist der aktuelle Lauf gegenüber den Vorläufen 
weitgehend konsistent. Prognoserelevante Unterschiede sind bis dahin nicht 
erkennbar.
Die am Samstag über Westeuropa ansetzend Tiefdruckentwicklung wurde von weiter 
zurückliegenden Modellen deutlich nach Osten abgesetzt gesehen. Das Sturmtief, 
das nach dem gestrigen 00 UTC-Lauf über Südengland und am Samstag über die 
südliche Nordsee nach Osten gelangen sollte, ist bei den aktuelleren beiden 
Modellläufen nicht mehr zu finden. Den im erweiterten mittelfristigen 
Vorhersagezeitraum auf Mitteleuropa übergreifenden Trog wird vom aktuellsten 
Lauf am kräftigsten simuliert.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
 

Bis einschließlich Samstag zeigen in Bezug auf die synoptischen Basisfelder alle
verfügbaren Modelle die oben beschriebenen Strukturen. Die Trogbildung am 
Samstag geht ebenfalls aus den Prognosen der anderen Wetterzentren hervor. 
Unterschiede lassen sich bzgl. der Passage der Kaltfront in der Nacht zum 
Freitag finden. EZMW zeigt das Schleifen dieser Front am deutlichsten, GFS und 
auch ICON lassen diese Front relativ rasch bis auf die Alpen übergreifen.
Das Modell des kanadischen Wetterdienstes zeigt die Passage der Welle weiter im 
Norden und simuliert die Trogbildung gegenüber den anderen Modellen mit einer 
deutlichen Verzögerung, wodurch dann auch der Temperaturrückgang später 
einsetzen dürfte.  
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Das EPS des GFS folgt der oben beschriebenen Entwicklung. Der im Laufe des 
Freitags einsetzende Temperaturrückgang wird nahezu von allen Membern 
nachvollzogen. Lediglich Einzellösungen weichen hiervon ab. Bemerkenswert ist 
auch, dass der aktuellste GFS-Lauf diesen Temperaturrückgang am deutlichsten 
zeigt. Ab dem Wochenende dürfte sich der Median der Temperatur im 850 hPa-Niveau
bei etwa -5 Grad einpendeln, was nasskaltes Wetter mit Schnee bis in die 
mittleren Lagen bedeuten würde. Für einen massiven Wintereinbruch mit Schnee bis
in tiefe Lagen lassen sich keine Signale finden.
Das ENS des EZMW folgt der oben beschriebenen Entwicklung. Auch hier findet sich
die übergroße Mehrzahl der Member bzgl. der Temperaturen im 850 hPa-Niveau bei 
-5 Grad ein. Zwar belassen es noch einige Lösungen bei einem recht hohen 
Temperaturniveau bzw. zeigen den Temperaturrückgang verhalten, aber von 
Modelllauf zu Modelllauf werden diese weniger.
Das Clustering zeigt 4 Szenarien, von denen 3 Cluster einen von Skandinavien 
nach Süden gerichteten Trog (in unterschiedlicher Ausprägung und Achsenlage) 
zeigen. Eines der Cluster, das immerhin mit 13 Membern besetzt ist, wölbt im 
erweiterten mittelfristigen Vorhersagezeitraum über Mitteleuropa erneut einen 
Höhenrücken auf. 
Das Sturmtief, das vom 00 UTC-Lauf des Vortages in der Nacht zum Samstag und 
Samstag für uns wetterrelevant werden sollte, wird noch von einigen Membern des 
ENS gezeigt. Dieses Szenario sollte nicht ganz aus den Augen gelassen werden.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Am Dienstag ist in den Mittelgebirgen in Staulagen Dauerregen möglich. Im 
Bergland und an der Küste sind Sturmböen wahrscheinlich, auf höheren Berggipfeln
schwere Sturmböen (Brocken orkanartige Böen) möglich. An der Küste ist es von 
der Zugbahn des Randtiefs abhängig, ob dort Sturmböen auftreten können oder 
nicht.
Am Mittwoch sind die stärksten Böen auf die östlichen Mittelgebirge beschränkt, 
wo in exponierten Lagen durchaus auch noch einmal schwere Sturmböen bis Bft 10 
auftreten können. In Staulagen ist weiterhin Dauerregen möglich.
Nach einer kurzen Wetterberuhigung kommt es am Donnerstag im Bergland und an der
Küste wahrscheinlich wieder zu Sturmböen, auf höheren Berggipfeln sind schwere 
Sturmböen (Brocken orkanartige Böen) zu erwarten.
Am Freitag ist in den Staulagen der Mittelgebirge, zum Samstag hin an den Alpen 
erneut Dauerregen möglich. Dabei ist ein Absinken der Schneefallgrenze auf 1000 
bis 800, am Samstag auf Lagen um 600 Meter und in der Nacht zum Sonntag bis auf 
400 Meter, möglich.
Ob in der Nacht zum Samstag und am Samstag sich im Norden eine Sturmlage 
einstellt, ist noch nicht sicher.
 
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Basis für Mittelfristvorhersage
ENS(EZMW) + MOS
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VBZ Offenbach / Dipl.  Met. Thomas Schumann 
 

Quelle: DWD
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